Reflexion zum SOOC13: Von entfesselten Pferden

Während Andrea ein schlechtes Gewissen hat, weil sie nicht allen immer Feedback geben kann, überlege ich zunehmend, ob es denn so gut ist, immer gleich auf „Like“ bei einem Blogpost zu hauen oder ihn zu kommentieren. Klar, ist das vielleicht auch ein Reflex und ich will ja, dass die Teilnehmer merken, dass sie gelesen werden, aber „verschrecke“ ich damit andere mögliche Kommentatoren? Denn immerhin trete ich ja irgendwie auch als Gastgeber/Lehrende auf. Wo ziehe ich die Grenze?

TUDfolio

Ich denke, es ist an der Zeit, mal runter zu schreiben, wie sich mein persönliches SOOC13-Erleben gerade anfühlt.

Ich denke, dieses Bild beschreibt meine Gefühlslage recht gut:

Am Wochenende war ich mit meiner Familie unterwegs – im Ausland (nicht EU, wo Roaming noch erschwinglich wäre, nein, in der Schweiz) – ohne Internet (wenigstens tagsüber). Abends hatte ich das Gefühl, ich müsse jetzt alle Tweets, alle Blogposts noch kommentieren und selbst noch einen schreiben – nicht, dass auf der SOOC13-Seite nichts passiert oder gar die Twitter-Timeline stillsteht.

Die liebe Familie war natürlich mäßig begeistert, wenn ich wahlweise Tablet, Laptop oder Handy bedienend, nickend der Unterhaltung folgte.

Aber ich könnte doch was verpassen, oder?

Dann der Wochenstart (für mich erst am Mittwoch): Wie immer Aufregung im KoSEL-Quartier (wer ESF-Projekte und Banken kennt, weiß wovon ich rede), Kurserstellungen betreuen, LehrerInnen und SchülerInnen beruhigen und nebenher noch Konzepte für kompetenzorientiertes E-Learning entwickeln. SOOCen? Vielleicht…

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Hey #followerpower, was ist los mit Dir?

Es ist ja noch nicht mal eine Woche um. Trotzdem kann man schon erkennen, was das offenen Lehrveranstaltungskonzept „MOOC“ mit den Lehrenden macht.

Anjas Blog

Liebe #followerpower,

Du warst oft sehr nett zu mir. Du hilfst mir, wenn ich nicht weiß, wo ich suchen soll. Du zeigst mir, dass die Welt nicht schlecht ist und es Menschen da draußen gibt, die mir helfen, obwohl ich  sie nicht kenne. Du bist es, weshalb ich die Idee des Konnektivismus verstehe – zumindest dachte ich das. Ich habe an Dich geglaubt und für den SOOC13 ein Experiment erdacht, dass den Teilnehmern zeigen sollte, wie toll Du bist. Aber Du warst nicht da. Aber ich habe es wohl einfach übertrieben. Und ich habe die Ausmaße von Wikipedia unterschätzt.

tl;dr

Einfach auf Twitter nach der Followerpower rufen scheint wenig erfolgreich zu sein. Und dabei hatte ich mir das als ein so tolles Experiment vorgestellt 😦

Das Experiment

Im SOOC13 widmet sich der erste Themenblock den Grundlagen zum Lernen 2.0. Ganz vorn mit dabei ist natürlich die…

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Wie wir Konnektivismus erklärt haben

Im Blogbeitrag zu den studentischen Medientagen habe ich es ja bereits angekündigt: Wie erklärt man Konnektivismus mithilfe eines Luftballons?

Bei der Planung meines Vortrags kam mir ein Teil recht trocken vor: Die Theorie zum Konnektivismus. In unserem Abstract (unveröffentlicht) las sich das noch so:

[…] Konnektivismus: Lernen durch Vernetzung

Der Artikel „Connectivism: A Learning Theory for the Digital Age” von George Siemens wird in einer Anmerkung der Herausgeber als ein Meilenstein bezeichnet (Siemens, 2005). Er betont, dass neben dem Fakten- (Know what) und Handlungswissen (Know how) auch das Wissen über Informationsquellen (Know where) eine immer stärkere Bedeutung erhält. Neben Einflüssen der Chaostheorie, die die zufälligen Aspekte von Lernprozessen erklärt, steht vor allem die Netzwerktheorie für das neue Lernverständnis Pate: Da ein Mensch allein unmöglich sämtliches Wissen in auch nur einem Fachbereich fassen kann, ist es wichtig für ihn, Netzwerke zu entwickeln, die ihm im Bedarfsfall das Lernen erleichtern oder sogar erst ermöglichen. Dabei bestehen diese Netzwerke sowohl aus medialen Wissensressourcen, vor allem aber auch aus anderen Personen, die Antworten geben und bei Problemstellungen beratend tätig sein können.

[…]

Siemens, G. (2005). Connectivism: A Learning Theory for the Digital Age. International Journal of Instructional Technology and Distance Learning, 2(1). URL: http://www.itdl.org/Journal/Jan_05/article01.htm (15.02.2013)

Chaos– und Netzwerktheorie haben also Einfluss. Und das in einer Session nach der Mittagspause. Puh. Ich zweifelte daran, dass die Zuhörer eine Vorstellung von den beiden Theorien hatten – geschweige denn, ob sie sich unter den Auswirkungen auf das Lernen etwas vorstellen konnten. Das musste doch plastischer gehen… und ich fand einen Weg, der glaube ich ganz gut funktioniert hat.

Vorbereitungen

Man nehme einen Luftballon und blase ihn auf. Ich wollte noch Werbewirksam „SOOC13“ draufschreiben, dann brauchte ich aber einen zweiten Luftballon, bei dem ich das nicht mehr probiert habe…

Durchführung

Einige Zeit vor dem Punkt, an dem der Zusammenhang zu Chaos- und Netzwerktheorie erklärt werden soll, gibt man den Ballon ins Publikum und bittet, diesen weiterzustubsen. In dem Moment, wo man auf die Chaostheorie zu sprechen kommt, bittet man, denjenigen, bei dem der Ballon gerade ist, diesen festzuhalten und seinen/ihren Namen zu nennen. In meinem Fall war das Max.

Was war geschehen: Ich habe mehr oder wenige zufällig aus dem Publikum jemanden kennengelernt. Er hieß Max. Anders passiert das im Leben auch nicht: Das persönliche (soziale) Netzwerk setzt sich aus Personen zusammen, die man aus unterschiedlichen, oft eher zufälligen Gründen kennt: sie gehören zur Familie, waren in der gleichen Klasse/im gleichen Jahrgang/im gleichen Kurs, man hatte eine gemeinsame Session auf einer Konferenz, jemand, den man kennt, hat denjenigen Retweetet, sie tauchte in einem Facebook-Kommentar auf, den man auch gelesen hatte… alles Chaostheorie (zumindest der Teil, der für unser Experiment wichtig war).

Ich habe dann Max gefragt, worin er sich gut auskennt. Seine Antwort war „Medienwissenschaften“. Ich habe also nicht nur rein zufällig den Max kennengelernt, ich weiß auch noch, wenn ich mal eine Frage zu Medienwissenschaften habe, dann kann ich den Max fragen. Und genau das ist der Punkt, den ich der Netzwerktheorie zuordnen kann: Ich vernetze mich mit Wissensressourcen (in diesem Fall Max), auf die ich im Fall der Fälle zurückgreifen kann.

Beachte!

  • Luftballons lassen sich nur effektiv stubsen, wenn zwischen den Teilnehmern nicht zu viel Platz ist. Derjenige, auf den der Ballon fällt, muss sich verantwortlich fühlen, ihn weiterzustubsen. Hat man zu große Lücken zwischen den Teilnehmern, wird der Ballon einfach runterfallen und man kann keinen Max zur Vernetzung kennenlernen.
  • Das Herumstubsen des Luftballons zieht Aufmerksamkeit auf sich, gegen die man als Vortragender ankämpfen muss. Derjenige Teilnehmer, der den Luftballon gerade stubst, und die Personen in seinem Umfeld, wird auf den Ballon schauen und nicht etwa nach vorn. Das stubsen sollte also nicht zu lange dauern (sonst wird sicher auch das Interesse verloren gehen).
  • Luftballons können platzen, wenn man sie beschriften möchte und sind daher nur bedingt als DIY-Werbeträger geeignet.