Bürokratiegetriebene Didaktik für Hochschul-MOOCs?

In Woche zwei des #mmc13 steht die Didaktik im Fokus: Die Auseinandersetzung mit dem Konnektivismus, mit dem Rollenverständnis als Dozent/Tutor/Gastgeber eines MOOCs, Badges, Peer Reviews u.v.m. sollen bei der Planung und Durchführung eines MOOCs helfen, die wichtigsten Unterschiede zu regulären Lehrveranstaltungen oder Webinaren zu erkennen.

Und was macht unsere SOOC-Planung?

Logo Lehrpraxis im TransferUnser Saxon Open Online Course (SOOC) wird als Lehr-Lernprojekt im Verbund Lehrpraxis im Transfer vom Hochschuldidaktischen Zentrum Sachsen (HDS) gefördert. Nun würden wir uns gern sofort in die inhaltliche und didaktische Konzeption stürzen – aber Hochschulen haben ihren eigenen Rhythmus  Wir haben die letzte Woche der Vorlesungszeit, nächste Woche beginnen die Prüfungen und die Planung der Lehrveranstaltungen für das nächste Semester, in dem der SOOC dann auch stattfinden soll, ist in den letzten Zügen. Das heißt für uns vor allem, dass wir schleunigst folgende Fragen beantworten müssen:

  • Zur Beschreibung des Kurses: Wie kann der Kurs kurz beschrieben werden, ohne dass wir und vor allem die Teilnehmer bezüglich der Lernziele (ebenso wie in anderen MOOCs) allzu sehr einschränkt werden und die Interessenten dennoch eine Vorstellung bekommen?
  • Zur Eintragung in das Vorlesungsverzeichnis: In welchen Studiengängen und in welcher Form kann der SOOC curricular eingebunden werden? In welchem Umfang können CreditPoints (CPs) erworben werden (auch wenn die Teilnahme prinzipiell allen offen steht, soll ja zusätzlich eine Anerkennung für unsere Studenten möglich sein)? Welche Prüfungsleistungen werden zum Erwerb dieser Credits erwartet?
  • Zur Absicherung der örtlichen Infrastruktur: Brauchen wir Räume für den SOOC? Hier hatten wir uns schnell darauf geeinigt, dass vorgelagerte Workshops den Einstieg in das für die Studenten ungewohnte MOOC-Konzept erleichtern, also: Ja, wir brauchen Räume. Zu welcher Zeit brauchen wir diese Räume? Wie groß müssen die Räume sein? Wo muss man diese beantragen und bei wem? Was ist noch frei?
  • Zur Absicherung der technischen Infrastruktur: Brauchen wir eine eigene Domain (ja: http://www.sooc13.de/). Wie bauen wir die Seite auf? (ist in Arbeit und an diesem Punkt werden weitere Fragen zu klären sein)
  • Zur Absicherung der Betreuung: Welche Anforderungen stellen wir an die wissenschaftlichen Hilfskräfte (WHK), d. h. wie formulieren wir die Stellenausschreibung? Bis wann brauchen wir eine Entscheidung? Welche Unterlagen brauchen wir? Wie lang dauert das Einstellungsverfahren?
Papierflut

bills-monster-hunted von HikingArtist.com (CC-BY-NC-ND)

Für etablierte Lehrveranstaltungen, die in jedem Jahr stattfinden, laufen diese Prozesse „as usual“ und als Dozent erhält man irgendwann eine Information über den neuen Stundenplan, der sich selten von dem letztjährigen unterscheidet. Die Organisation dieses neuen Angebots hat mich erstmalig mit diesen Planungsprozessen und dazugehörigen Formularen konfrontiert, die schlichtweg zeitkritischer waren, als Überlegungen zu konkreten didaktischen Fragen. Es ist auch keine „Schuldfrage“ und soll schon gar keine Schuldzuweisung sein: das sind eben die Planungszeiten an den Hochschulen, für andere MOOCs wird es ähnliche Einschränkungen geben. Ich merke nur, dass ich am Thema dieser Woche etwas vorbei“bürokratisiert“ habe (aber ich habe viele #mmc13-Beiträge gelesen und sie laufen ja auch vorerst nicht weg).

Schließlich werden wir unsere Kurskonzeption dann an diesen damit geschaffenen Realitäten ausrichten müssen. Hinzu kommen die Rahmenbedingungen, die durch das Kalenderjahr gesetzt werden. So mussten wir überlegen, was wir in der Woche nach Pfingsten machen, die regulär vorlesungsfrei ist, aber als unsere erste inhaltliche Kurswoche (nach dem Kick-Off) angesetzt war? (Aktuelle Lösung: wir lassen den Kurs pausieren bzw. seicht starten, erwarten aber erst ab der zweiten Woche größere Beteiligung.)  Diese „Einschränkungen“ können aber auch andererseits hilfreich sein, für die verschiedenen Gestaltungspunkte innerhalb des MOOCs Festlegungen zu treffen und nicht hilflos zwischen der Vielzahl von Wahlmöglichkeiten zu hängen. Außerdem ist es auch nichts Neues: in allen Fächern müssen wir Lösungen für ausgefallene Lehrveranstaltungen durch Feiertage etc. finden. Dennoch würden wir derzeit am Liebsten gleichzeitig (neben unseren anderen Aufgaben) an den nächsten Punkten arbeiten: Feinplanung der Kurswochen, Referentenauswahl, Logos und Werbemittel basteln, Pressemeldungen schreiben… Wir kriegen das schon hin 🙂

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#MMC13 Woche 1: RefLektion

hour glass illustration by HikingArtist.com (CC-BY-ND-NC)

+++ Zu spät! +++ Zu spät!+++ Zu spät!+++

Die anderen Reflektoren (Andrea Brücken und Jutta Pauschenwein) haben ihre Wochenzusammenfassung schon abgegeben, was es für mich nicht leichter macht, denn ich schiele ja doch vorher mal drüber. Auch die Gesamtzusammenfassung ist schon raus. Nur ich wieder. Entschuldigt bitte. Ich musste mich beim Schreiben diese Beitrags aber immer wieder daran erinnern, dass ich die erste Woche eben nicht inhaltlich bewerten, sondern eher meine „Meta-Gedanken zum Wochenverlauf präsentier[en]“ soll.

Also Forschungsfrage: Können Teilnehmer eines MOOCs an einem MOOC teilnehmen, und dann erst diskutieren, was ein MOOC überhaupt ist? …klingt beknackt, war aber so.

RefLektion 1: Wie ging es denn los?

Monika, Dörte und Heinz hatten ja schon in den letzten Wochen die Planung des #MMC13 sehr transparent gestaltet: Das Programm stand bereits und der pünktliche Start wurde von auserwählten Personen, den Impulsgebern (Jasmin HamadehHannes Klöpper und Claudia Bremer), clever eingefädelt. Es gab gleich einen Jingle und ein… nennt sich das „ein Popcorn„, was der Jörg da gemacht hat? Egal, toll war es. Die Stimmung war (zumindest in meiner Filterbubble) super. Ein MOOC-Start kann wohl kaum besser laufen.

Woran hat es gelegen? Wohl ganz klar an der tollen Motivationsarbeit der drei MOOC-Veranstalter, aber auch an vielen Teilnehmern, die (oft nicht ganz unbekannt) sich auf den #mmc13 gefreut haben.

Everybody Wins by HikingArtist.com (CC-BY-ND-NC)

ExKurs zu mir: Mein Rollenverständnis in dieser Woche

Reflektorin der ersten Woche sein, warum nicht. Dachte ich so. Und ich hab es Monika gesagt. Und dann war es eine Weile ruhig. *Schnipps* war es Januar und ich musste mich entscheiden, wie ich mit dieser Rolle umgehen sollte. Andrea hat ja ganz schön vorgelegt mit ihrer tollen Pearltrees-Kuration, die mir sehr bei der Reflektion geholfen, aber ihr auch eine Menge Arbeit eingebrockt hat. Aber sie macht das auch die ganzen fünf Wochen (Respekt!!!). Da muss man sich organisieren. Und ich so?

Three Dors by HikingArtist.com (CC-BY-ND-NC)

Die mittlere Tür hat Andrea ja schon besetzt. Nix machen geht als Reflektorin nicht, also erschien mir Tür Nummer 1 ganz gut: Irgendwas machen. Das habe ich dann auch und denke, ich bin damit ein mittelrepräsentatives Beispiel der #MMC13-Teilnehmer, denn kaum jemand verfolgt sämtliche Beiträge, Kommentare, Tweets, Hangouts,… (zumindest niemand der ausreichend lange schläft und arbeitet… oder?).

RefLektion 2: Inhaltliche Arbeit

„Hallo, ich bin @twittername und ich bin MOOC-Teilnehmer.“ – „Ach, Du auch? Ich bin @twitteranderername. Schön Dich kennenzulernen. Und was machen wir jetzt hier?“

Ich muss zugeben, am Anfang hatte ich ein wenig Angst, dass die inhaltliche Diskussion hinter dem ganzen „Angeflausche“ zurückbleibt. Aber nachdem alle mal gesagt hatten, dass es toll ist, hier mitzumachen, starteten sehr konkrete Überlegungen: Wo liegen die Unterschiede zu bisherigen Online-Kursen, welche Verantwortung die Veranstalter haben und wo und wie können MOOCs eingesetzt werden (Unternehmen, Schule, Hochschule, Bibliotheken)… ob diese Diskussionen genug sind, um in der 5. Wochen ein #MMC13-Handbuch-Wiki zu füllen, wird sich zeigen (und ich bin gespannt, ob die „nein, Wiki gibts erst nach dem Spielen“-Strategie aufgeht).

Woran hat es gelegen? Einzelne Teilnehmer, vor allem aber auch die Veranstalter haben immer wieder auf inhaltliche Fragestellungen hingewiesen und so weitere Impulse zur Diskussion gegeben. Notiz an alle: Weiter so!

Team-building-prototype by HikingArtist.com (CC-BY-ND-NC)

Team-building-prototype by HikingArtist.com (CC-BY-ND-NC)

Was mich ein wenig gestört hat, war das inhaltliche Rauschen: Manchmal kam es mir vor als würde alles, was in dieser Woche irgendwo über MOOCs publiziert wurde, in die #MMC13-Streams weitergegeben – unabhängig davon, ob es zum Wochenthema passt, manchmal auch scheinbar ohne dass der Weiterleitende das Weitergeleitete gelesen hatte.

Woran hat es gelegen? Das ist wohl Segen und Fluch der Komponente OPEN, denn es waren auch sehr interessante Links darunter (mir ist das sicher auch ein paar mal passiert). Im Hinblick auf unseren geplanten SOOC habe ich hier ein wenig Bedenken, ob das die Studenten dann nicht überfordert. Aber was tun? Einen zweiten Hashtag für „nicht-wochenthemenrelevante Tweets“ einführen? Hinnehmen? (Das Open-O in MOOC sagt ja eigentlich: hinnehmen.)

RefLektion 3: Kommunikation

„Drei Tage nicht gemoocst […] Mein Eindruck: die haben immer Zeit, haben alles gelesen und gehört, und schreiben (“posten”) und zwitschern (“twittern”) permanent und zeitgleich ihre Erkenntnisse (“Content”) in den Datenraum (Moocspace). Wie oft muss ich bei einem Mooc etwas posten? Was ist zu wenig? Ab wann verliere ich meine Follower, ähem, aktuell: meinen Follower?“ (Jan Karl Wofski auf moocnewbie.wordpress.com)

Ja, genau so isses. Und ich kann mir vorstellen, dass das für Neulinge echt starker Tobak ist. Ich twittere ja nun nicht seit gestern, daher weiß ich, dass man so eine Timeline auch fix nach oben scrollen kann und nicht jedem verpassten Hangout hinterherweinen muss. Aber leicht ist das nicht. Gerade, wenn ich an einem arbeitsreichen Tag nur ab und zu die Notifications aus der Mailbox wegklicke ist das schon ein wenig, als würde ich den spielenden Kindern durchs Fenster zusehen, während ich noch drin sitze und Hausaufgaben machen muss.

Woran hat es gelegen? Na an den Hausaufgaben. Und Mama sagt, die müssen gemacht werden. Spielen kann man noch hinterher (nur nicht so lange). Und das muss auch jeder Teilnehmer für sich erkennen. Ich hatte bisher aber kaum das Gefühl, den Anschluss zu verlieren, oder dass die Kenntnis der vorhergehenden Diskussion vorausgesetzt wurde – und das sollte so bleiben. Bitte.

Network by HikingArtist.com (CC-BY-ND-NC)

Eins noch dazu: Ich glaube, Claudia hatte es beim #OPCO11-spontan-Treffen auf der Dresden gesagt: Hier war das Feedback von vielen Teilnehmern, dass sie das Gefühl hätten, es gäbe schon Grüppchen, in die sie nicht reingehören. Ist das vielleicht ein typisches Newbie-Problem? Gerade in diesem MOOC kenne ich viele der Teilnehmer schon von vorherige Treffen, Hangouts, Tweets oder irgendwie anders und ich gebe zu, dass ich verstärkt die Blogartikel von diesen Personen lese. Könnten hier vielleicht Paten- oder Peer-Konzepte helfen, dass sich Neu-Twitterer schneller ihr Netzwerk knüpfen?

RefLektion 4: Zusammenfassung und Ausblick

Sind wir dem angesetzten Thema in dieser Woche gerecht geworden? (HowToMOOC-Webseite)

Betrachtet man das Wochenthema „Wann ist ein MOOC ein MOOC?“, muss man sagen: Clever gestellt, liebe Veranstalter. Ein MOOC ist ein MOOC ist ein MOOC. Habt Ihr absichtlich nicht gefragt, „Wann ist ein Online Course ein MOOC?“ Oder „Wann ist ein Course ein MOOC?“ Als (Medien-) Informatiker weiß ich ja kaum, was ich noch dazu schreiben soll. f(MOOC) = MOOC für alle MOOC? Für die anderen Fragen scheint es auch offensichtlich: Online-Kurse werden zu MOOCs, wenn Massive und Open dazu kommen, aber haben wir geklärt, was Massive und Open für uns bedeutet?

US Spacemen by HikingArtist.com (CC-BY-ND-NC)

Ich gebe diese Frage gern als freiwillige Hausaufgabe bis zur Woche 5 ab, versuche mich aber schon einmal an einer Beispiellösung:

Nein, wir wissen nicht, was wir unter MASSIVE und OPEN genau verstehen sollen – und das ist gut so! Denn wovor ich in dieser Woche etwas Angst hatte, war eine starre Definition, wie „MOOCs sind Online-Kurse mit mindestens 164,2 Teilnehmern, bei denen sämtliche Inhalte und Kommunikation frei im Netz zur Verfügung stehen müssen.“ Denn was man bei der Diskussion vielleicht schnell vergisst: Nicht Kolumbus hat den MOOC entdeckt und auch Downes und Siemens hatten kein Paket im Briefkasten und da war er, der MOOC. Es ist ein (stark Technik-induziertes) didaktisches Konzept, das wie jedes andere auch angepasst werden darf und soll. Wenn wir für unseren SOOC auch nur 50 Teilnehmer haben und die auch nur zur Hälfte aktiv sind, dann ist das im Kontext der universitären Lehre schon „massive“.

Claudia Bremer schrieb, es ginge ihr „vielmehr um ein besseres Verständnis des Phänomen der MOOCs“ und hier wünsche ich mir und uns für die nächsten Wochen, dass wir Gestaltungsfelder ausfindig machen, die jeder für seinen MOOC formen kann. In diesem Sinne bin ich gespannt auf die nächste Woche.

(P.S.: Ist HikingArtist.com nicht toll?)

Mit dem (Meta-)MOOC zum SOOC

So, seit gestern gibt es also den #MMC13, ein MetaMOOC, indem erklärt werden soll, was ein Massive Open Online Course ist und was man beim Veranstalten eines MOOCs so beachten sollte. Praktisch, denn im Sommersemester werden wir einen SOOC, also einen Sächsischen Open Online Course veranstalten und beginnen gerade mit der konkreten Planung.

Wir wollen die Wochen des MMC13 nutzen, um die einzelnen Punkte für unser Projekt zu durchdenken und mithilfe der anderen Kursteilnehmer reflektieren. Ganz eigennützig – und darin besteht auch ein großer Teil der Motivation, beim MMC13 am Ball zu bleiben, denn das ist aufgrund der offenen Struktur und der vermeintlichen Unverbindlichkeit nicht leicht.

Das Thema der ersten Woche, WANN IST EIN MOOC EIN MOOC? EINE BESTANDSAUFNAHME, heißt für uns damit: Wann ist ein SOOC ein MOOC? Wir machen uns dann mal auf die Suche nach Antworten…